Geschichte der Wachsenburg

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Egal aus welcher Himmelsrichtung Sie zu uns kommen, gleich auch, ob mit der Bahn, dem Bus oder Auto: von recht weit schon können Sie die Veste mit dem leuchtend-roten Dach des Hohenlohe-Turms erkennen. Seit mehr als tausend Jahren krönt die vielbesuchte, durch Ihre Geschichte und ihren Rundblick berühmt gewordene Burg den Berg, der ihr den Namen gegeben hat. " Wassenberg ", wie er ursprünglich hieß kommt vom althochdeutschen " hwas " = " scharf " oder " spitz " und bezeichnet eine steil ansteigende Höhe, was dem Charakter des Berges durchaus entspricht.

Mit 421 m Höhe, ist der Wassenberg die höchste Erhebung des Drei-Gleichen-Gebietes. Er besteht aus verschieden getöntem Mergel, einer Formation des Keuper, in die Gipslager eingeschlossen sind : Seine Kuppe deckt gelbbrauner Sandstein. Zwischen Kiefernbeständen treffen wir Buchen, Eichen und Linden, vereinzelt auch Lärchen, Akazien und Ahornbäume. Viele seltene Pflanzen gedeien an den Hängen des Berges. Wo die Sonne hinscheint hat sich eine vielfarbige Kalk-und Steppenflora angesiedelt, deren wertvollste Vertreter - Aronstab, Küchenschelle, Adonisröschen, Türkenbund, Akelei, rotes Waldvögelein, Goldhaar, Enzian, Golddistel und Hartgras - unter Naturschutz stehen. Im Mittelalter lagen ertragsreiche Weingärten hier. Vom " Weinland am Wassenberg " berichtet eine Urkunde aus dem Jahre . Der " Wachsenburger " wurde am Hofe Herzog Ernst des Frommen von Gotha getrunken. Seine günstige Lage an der Straße von Thüringen nach Franken, seine zur Verteidigung geeignete Form und seine fundreiche Umgebung - am Ostrand sind Gräber aus der Bronzezeit freigelegt worden, sprechen für eine sehr alte Besiedlung.  

Zwar ist die benachbarte Mühlburg älter, aber auch in der Chronik der Wachsenburg steht viel Wissens- und auch Staunenswertes. Einiges haben wir für Sie herausgeschrieben:

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Vom 10-13. Jahrhundert

Die erste historische Burg muß in den dreißiger Jahren des 10.Jahrhunderts entstanden sein. Als ihr Erbauer wird der Benediktiner Abt Meingoth von Hersfeld genannt.

Sie ward zum Schutze der reichen Abtei mit waffenkundigen Mönchen besetzt. Ein Gemälde zeigt den Abt in einer Nische sitzend, darunter steht folgender Vers:

Abt Meingoth zu Wassenburg Hof gern hält, dieweil der Mönche Braunbier ihm wohlgefällt. Er war von 932 - 935 Abt von Hersfeld, ein Zeitgenosse König Heinrich I., des Städtegründers.

Abt Friedrich wohnte von 1090 bis 1098 auf der Burg und ist hier gestorben. Von ihm berichtet die Chronik des Klosters Gosek aus dem 12. Jahrhundert, er habe die Burg, die durch Fehden schwer mitgenommen war, wieder herstellen lassen.  (1098) " castrum restauratur,  quod ex antique wassenburg nominatur. "

Ums Jahr 1100 wurde die Wassenburg mit ihren Gerechtsamen von Hersfeld den Landgrafen von Thüringen überlassen.

Im weimarischen Erbfolgekrieg 1112 bis 1120 ließ Kaiser Heinrich der V. die Wassenburg besetzen. Im Jahre 1170 wird ein "Ritter Adelher von Wassenburc" offenbar ein Burgmann, erwähnt, der hier für Hersfeld amtierte. Als die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Hohenstauffen und Welfen das Land erschütterten und die Abtei für den Stauffer Philipp von Schwaben Partei ergriff, wurde die Burg in die Kämpfe hineingezogen. Der welfisch gesinnte Erzbischof von Köln setzte sich, gegen Ende des 12. Jahrhunderts, auf der Wassenburg fest.

Im Jahre 1204 wurde die Burg durch einen Sturmangriff von Philipp von Schwaben eingenommen.

Im Jahre 1206 wurde Philipp von Schwaben von der Wassenburg vertrieben. Pfeilspitzen und Hufeisen, die man bei Erdarbeiten am Fuße des Berges gefunden hat,  könnten von dieser Belagerung herrühren. Die Burg gelangte in den Besitz der Grafen von Käfernburg, deren Nachfolger die Grafen von Schwarzburg waren.

Am 31.Mai 1230 brannten die Türme auf den Häusern Wassenburg, Mühlberg und Gleichen. Daher der Name "die Drei Gleichen".  

Vom Ende des 13.Jhdt. bis 1368 erlebte die Wassenburg unter den Grafen von Käfernburg, den Grafen von Orlamünde und seid 1306 durch Kauf im Eigentum Günther XII. Herr zu Schwarzburg und Heinrich VII. von Schwarzburg-Blanckenburg ihre Blütezeit. Die Schwarzburger weilten oft hier oben, hielten Hof und feierten Feste. Im Jahre 1340 wurde von Günther XVIII. die Linie Schwarzburg - Wachsenburg gebildet.

Am 19.Mai 1369 mußten die Grafen Günther XXX. und  Johann II. von Schwarzburg die Wassenburg an den Thüringer Landgrafen Friedrich III. (der Strenge) verkaufen um die Kriegsschulden gegenüber dem Bischof von Würzburg bezahlen zu können. Die Originalurkunde mit zwei Siegeln befindet sich im Staatsarchiv Weimar unter : Reg Ec No 509/510.  

Aus den Urkundenbeständen des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt haben wir ermittelt, dass am 1.August 1388 ein "Fritsche von Witzleben" als "Amtmann zu Wassenburg" genannt wird. In besagter Urkunde verkaufen die Grafen Hermann, Friedrich und Wilhelm zu Henneberg ihrer Schwester Sophie, Gräfin zu Stollberg und Käfernburg, auf Lebzeiten jährlich 3 Fuder Wein, die am Vorabend des St. Martinstages in der Stadt Ilm zu getreuen Händen dem Grafen Johann von Schwarzburg abzuliefern sind. Als Bürge dieses Vertrags fungiert u. a. Fritsche von Witzleben.

Zwei weitere Urkunden konnten im Repertorium der Urkunden des Erfurter Gebietes ermittelt werden. Es handelt sich um die Erklärung Herzog Wilhelms von Sachsen an die Stadt Erfurt bezüglich der Grenz- und Gerichtsstreitigkeiten zwischen Mühlberg und Wachsenburg (1446; alte Signatur: Erfurt A XXXI Nr.1) und um über eine Übereinkunft Herzog Wilhelms von Sachsen mit der Stadt Erfurt wegen der Wiedereroberung der Schlösser Wachsenburg und Kapellendorf (1451; alte Signatur: Erfurt A XIII Nr.98).

 

Von 1441 bis 1451

befand sich die Burg im Besitz des berüchtigten Raubritters Apel von Vitzthum, der mit seinen Gesellen Kaufleute, die nach Erfurt oder von dort unterwegs waren, überfiel und ausraubte. Im sächsischen Bruderkrieg zwischen Churfürst Friedrich II. und dem in Weimar residierenden Landgrafen Wilhelm III., dessen Räte Busso und Apel von Vitzthum waren, hat Landgraf Wilhelm III. gegen tausend Mark Silber die Wassenburg an Apel von Vitzthum verpfändet.  

 

1451

Am 04.Dezember eroberten Erfurter, Mühlhäuser und Nordhäuser Bürger, die sich noch Mansfelder Bergleute zu Hilfe geholt hatten, von Haarhausen aus die Raubritterburg. Burghauptmann Kerstan von Hayn ergab sich samt reichen Diebesgutes und 30 Mann Besatzung. Der Gesuchte und in Acht erklärte Apel von Vitzthum war jedoch durch einen unterirdischen Gang entflohen. 

 

1472

Am 19.Juni rächte sich Apel von Vitzthum an seinen Besiegern und ließ durch entlaufene Mönche die er sich zu Bundesgenossen machte, an 12 Enden der Stadt Erfurt Feuer anlegen. 6000 Häuser sowie Kirchen und Klöster wurden ein Raub der Flammen, sodaß die mittelalterliche Stadt in ihrer Bedeutung stark zurücksank.

Der aufmerksame Besucher kann heute noch mehrere eingemauerte  Kanonenkugeln aus Stein bewundern, die man zur Erinnerung an die Belagerung in die Außenwände des Palas und der Kemenate eingemauert hat.

 

1485

Um eine Wiederholung des Bruderkrieges zu vermeiden, vollzogen der Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Herzog Albrecht der Beherzte am 26.August die Leipziger Teilung ihres Landes, nämlich die Teilung in ernestinische und albertinische Länder. Kurfürst Ernst behielt drei voneinander getrennte Gebiete: Eisenach/Gotha, Coburg und einen Komplex, der sich im Raum zwischen Weimar, Jena, Saalfeld, Zwickau, Altenburg und Thorgau befand.

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um 1500

 

1525

Die Wachsenburg war inzwischen im Besitz der Herzöge von Sachsen. Im großen deutschen Bauernkrieg 1525 drohte der Wachsenburg das Schicksal manch anderer Zwingburg : Viertausend Bauern sammelten sich in Ichtershausen, um sie zu stürmen und dem Erdboden gleich zu machen. Nur dem Gothaer Superintendenten Myconius war es zu verdanken, dass die Aufständischen von der Zerstörung, des "Fürstlichen Amtes Wachsenburg", zu dessen Verwaltung 14 Ortschaften zählten, abstand nahmen. Anführer im Bauernkrieg in Thüringen war Thomas Müntzer (Theologe). Nach der Niederlage wurde Müntzer am 15. Mai gefangen genommen. Seine Enthauptung erfolgte am 27. Mai in Mühlhausen.  

1558

Paul Mühlpfordt, Amtmann zu Wachsenburg stirbt am 11.September. 

Das Gebiet Sachsen-Weimar-Altenburg, das im Erfurter Vertrag 1572 Johann-Wilhelm zugesprochen war, regierte seid 1586 dessen 24 jähriger Sohn Herzog Friedrich Wilhelm I. Ab 1591 teilte er sich die Regierung mit seinem Bruder Johann ( 1570 - 1605 ). In Sachsen-Weimar hinterließ 1605 Herzog Johann nach seinem Tod 8 minderjährige Söhne deren Vormund bis 1615 der albertinische Kurfürst war. Das Herzogtum wurde erst nach 1638 geteilt, als es mit dem Tod des Sachsen-Coburg-Eienacher Herzogs zu einem dramatischen Gebietzuwachs kam. Mit der Teilung 1640 entstanden 3 neue Teillinien. Wilhelm erhielt das Gebiet Sachsen- Weimar seine Brüder Albrecht und Ernst (1601 - 1675 ) den Eisenacher bzw. Gothaer Teil.

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Vor dem Umbau durch Herzog Ernst   Nach dem Umbau durch Herzog Ernst

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Ernst der Fromme

 

1640

gelangte die Veste in den Besitz Herzog Ernst des Frommen von Sachsen-Gotha  

 

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um 1648

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1651

begann Herzog Ernst der Fromme mit dem Wiederaufbau der im 30jährigen Krieg verfallenen Burg. Bis 1660 wurden zahlreiche Arbeiten zur Erhaltung der Gebäude ausgeführt. Dokumentarisch niedergeschrieben im Staatsarchiv Gotha ( Geheimes Archiv 00 II ). Eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Bautätigkeiten war die Sicherung der Wasserversorgung, durch die Schachtung des 93m tiefen und noch heute mit dem alten Tretrad erhaltenen Brunnens. Die Kosten für den Brunnen betrugen 6000 Taler. Der Brunnen spendet noch heute ein kalkhaltiges Wasser.  

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Der Brunnen

Die Burg wurde zur Festung, das heißt zum Militärgefängnis erklärt.

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um 1670

1729

hielt der erste Kommandant, Oberst Leutnant Anton Friedrich von Seltzer, Einzug auf der Wachsenburg.

 

1736

die Burg wird inventarisiert. Die Originaldokumente befinden sich noch heute im Staatsarchiv Gotha unter der Nummer 852 " Inventarium Schloß Wachsenburg ".

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um 1738

1762

besetzten während des 7jährigen Krieges Franzosen die Veste.

Die Wachsenburg in der Zeit des Herzogtums Sachsen - Coburg - Gotha  1826 - 1918

In dieser Zeit regierten Herzog Ernst I., Herzog Ernst II., Herzog Alfred, Regierungsverweser Ernst zu Hohenlohe - Langenburg und als letzter Regent Herzog Carl - Eduard.

Sie alle zeigten ein reges Interesse an der Wachsenburg. Herzog Ernst II. ließ aus dem ehemaligen Gotteshaus den sehr geräumigen und ansehlichen Rittersaal herstellen sowie das gesamte ehemalige Kirchgebäude ausbessern. Herzog Alfred unterstützte die Bemühungen zur Erhaltung der Burg, in dem er die Tätigkeit des Wachsenburg - Komitees unterstüzte. Er veranlaßte auch die Überstellung der Bestände des Herzoglichen Zeughauses auf die Wachsenburg. Auch Herzog Carl - Eduard unterstüzt das Unternehmen des Wachsenburg - Komitees durch Überweisungen von Objekten.

1856

der letzte besoldete Kommandant der Burg, Hauptmann Friedrich Saul, stirbt auf der Wachsenburg.

 

1861

zog Korporal Schottmann als Kastellan und Wirt auf die Burg ein. Seit nunmehr 140 Jahren werden die Gäste auf der Veste bewirtet.

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1870

hat Gustav Freitag in seinem Zimmer im Nordflügel das "Nest der Zaunkönige" geschrieben.

 

1878 bis 1890

Auch in die Geschichte der Arbeiterbewegung ist die Wachsenburg eingegangen. Es fanden drei geheime Landesparteitage der sozialistischen Arbeiterpartei statt.

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um 1900

 

1905

Am 15. Juli wurde der Hohenloheturm in Gegenwart des allbeliebten Regierungsverwesers Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg eingeweiht.  

 

1907 

Der Finanzier Julius Diehl läßt die Geschützhalle Bastion Carl - Eduard erbauen. Der Herzog wohnt den Eröffnungsfeierlichkeiten bei.

 

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1918

wurde unter Führung des Schulzen Riemann zum letzten Male von der Wachsenburgbatterie Salut geschossen.

 

1923

Mit dem 01.April geht das Vermögen des Gebiets Sachsen-Gotha als Ganzes mit allen Rechten und Pflichten auf das Land Thüringen über. Hierzu gehört auch die Veste Wachsenburg.

 

1945 

Am 04.April erreichte das VIII. Korps der dritten amerikanischen Armee unter General Pattons die Wachsenburg und errichtete einen Beobachtungsstand. General Patton traf sich hier mit General Dwight D. Eisenhower. Schon 1945 wurde sehr viel Museumsgut vernichtet.

 

1946

Am 08.Januar wird das Kriegsmuseum durch die sowjetische Militärregierung versiegelt. Kurz darauf werden die Waffen und die Uniformen beschlagnahmt, verpackt und weg geschafft.

 

1949

Am 09.Dezember wird der Verein Wachsenburg e.V. aufgelöst.

 

1954

Am 06. März verstirbt Herzog Carl-Eduard. Mit ihm starb der Vorletzte der ehemals regierenden deutschen Bundesfürsten.

 

1964

Teile der Burg werden durch den Rat des Kreises Arnstadt unter der Bauleitung von Herrn Architekten A.Keller saniert, leider jedoch nicht immer zum Vorteil der mittelalterlichen Burg.   

1965

Das Burgmuseum wird entgültig aufgelöst.

 

1969

Nachdem die Sanierungsarbeiten beendet sind, übernimmt die Handelsorganisation Arnstadt die gastronomische Einrichtung und das Burghotel. Die Veste Wachsenburg wird zum begehrten Ausflugsziel für Gäste aus nah und fern.

 

1991

Der Freistaat Thüringen erhält durch Vermögenszuordnungsbescheid die Wachsenburg als Eigentum. Durch den Landkreis Arnstadt werden diverse Bauarbeiten an Ringmauer und Hohenloheturm ausgeführt.

 

1994

es werden Bauarbeiten am Nordflügel und am Brunnenhaus durch die Oberfinanzdirektion Erfurt ausgeführt. Ausbau der Hotelzimmer durch Familie Wagner.

 

1996

Neubau der Burgküche und Heizungsanlage.

 

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1998

Am 31.Januar erlebte die Wachsenburg erstmals eine Zwillingsgeburt.

 

1999

Am 01.Januar verkauft der Freistaat Thüringen die Wachsenburg an die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen in Erfurt.  

 

2001

Am 23.Januar Kauf der Veste-Wachsenburg durch Familie Wagner von der LEG Thüringen.

Am 8.September Wiedereröffnung des "Neuen Burgmuseums" im Nordflügel und Hohenloheturm.  

 

2002

Beginn von umfangreichen Sanierungsarbeiten am Beamtenhaus/Nordflügel, dem Stromhaus, der Bastion und der Ringmauer.

 

2003

Am 07.September wird die St. Georg Kapelle im Erdgeschoß des Hohenloheturmes durch Herrn Superindentent Hundertmark,  Herrn Pfarrer Witzel und Herrn Pfarrer Griebenow feierlich eingeweiht.

Am 18.Oktober erfolgte die symbolische Burgübernahme durch den Ordo Militaris Teutonicus als seine neue Heim-Ordensburg. Der Hochmeister des Ordens seine Exzellenz Heinz Mayer ernennt Hans Georg Wagner zum Burggrafen.

Baugeschichte

Von der mittelalterlichen Burg hat sich trotz vieler Um- und Neubauten einiges erhalten. 

Die Ringmauer trug früher Zinnen und war durch Mauertürme verstärkt.

Das Brunnenhaus 

Im äußeren Burghof ist der 1651 angelegte 93m tiefe Brunnen als Muster seiner Art sehenswert. Er ist originaler Sachzeuge der Arbeitsleistungen unserer Vorfahren. Er ist bis auf die Sohle ausgemauert, mit einer primitiven Fördereinrichtung, einem Tretrad, wurde das lebensnotwendige Naß aus der Tiefe geholt. Eine Dienstmagd und ein Bernhardienerhund mußten diese harte und zeitraubende Arbeit verrichten. Seit 1913 summte ein Eelektromotor im Brunnenhaus und übertönte die sonst hörbare Melodie des Wasserzuflusses aus 93 m Tiefe. Wer die Gelegenheit findet, dem lockenden, silberhellen Plätschern zu lauschen, dem ist es, als höre er daraus die Worte aus einer Brunnenanrede:

"Labt euch vergnügt an mir, ihr meine werten Gäste, und fürcht euch oben nicht, denn ich steh unten feste."

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Hohenloheturm

Hohenloheturm

Auf der Westseite der Burg, auf der Stelle, auf der früher der alte Turm stand, erhebt sich 30 Meter hoch der Hohenlohe - Turm und überragt die anderen Gebäude der Burg.

Von der Außenseite trägt er den Charakter eines trutzigen Bergfriedes, schmale Schiessscharten zeigen, dass der Turm als letzte Verteidigungszuflucht der Burgbewohner aufgefasst ist.

Auf der Hofseite sind größere Fenster eingebaut, um die inneren Räume zu Sammlungszwecken verwerten zu können.

An der Stelle, wo der Turm erbaut ist, strebt ein Felskegel bis zu Tage empor, auf diesen Felskegel ist der Grund des Turmes 7,60 x 7,60 m in Zementbeton aufgegossen, der dem schweren Bauwerk eine gesichertere Unterlage geben wird als sie der frühere Turm hatte. Die Größenverhältnisse sind den beiden anderen Gleichenburgen möglichst angepasst.

Im Erdgeschoss des Turmes war eine Gedenkhalle eingerichtet, die durch Inschrift und Ausstattung die mit Erbauung des Turmes verbundene Absicht erklärte.

In diese Gedenkhalle gelangte man vom Burghof aus durch eine romanische Rundbogentüre, ein hohes Kreuzbogengewölbe schließt sie nach oben ab, durch gekuppelte romanische Bogenfenster wird sie beleuchtet.

Der Eintretende blickt auf das Reliefportrait des Regenten, Erbprinz Ernst zu Hohenlohe - Langenburg, das sich, als ein Meter großes in griechischem Marmor von dem Gothaer Bildhauer Ernst Morgenroth ausgeführtes Medaillon, an der gegenüberliegenden wand befindet.

Heute ist in dieser Halle die St. Georg´s Kapelle untergebracht.

Wie es bei den Bergfrieden der alten Burgen in der Regel der Fall,  ist auch hier der Aufstieg zu den oberen Räumen des Turmes vom Hofe aus nicht möglich, der Zutritt erfolgt durch den kleinen Turm auf der nördlichen Seite des Tores, der jetzt ebenfalls wieder aufgerichtet werden konnte. 

Das "Thürmblein", auch "Thörnlein" in alten Urkunden genannt, hat schon früher an dieser Stelle gestanden; seine Treppe führt uns auf einen Wehrgang, der über das Tor nach dem großen Turm führt. 

Der Wehrgang ist ganz im Stile der alten Burgen neu aufgeführt, über dem Tore ist eine sogenannte "Pechnase" angebracht, von der aus die das Tor Bestürmenden mit siedendem Pech begossen werden konnten.

Durch die Eingangstüre gelangen wir zu der neunzigstufigen eisernen Wendeltreppe, die auf die große Aussichtsgallerie führt. Durch 16 Fenster bietet sich eine herrliche Rundsicht. Freier noch kann diese genossen werden von der Turmlaterne aus, die sich unmittelbar unter der Dachspitze befindet. Weithin schweift der Blick über die Lande, im Norden bis zum Possen, dem Kyffhäser - Denkaml und dem Brocken, im Osten bis zum Ettersberg bei Weimar, dort sehen wir Erfurt mit seinen Domtürmen und dem goldglänzenden Madonnenbild, und ganz in der Nähe Arnstadt. Im Süden grüßen uns Kickelhahn, Schneekopf und daran anschließend die ganze Kette des Thüringer Waldes mit dem Inselsberg, der Wartburg und dem Hörselberg.  Die Stadt Gotha wird zum größten Teil durch den im Vordergrunde liegenden Rhönberg verdeckt, nur das Seeberghaus und das Schloss Friedenstein lugen darüber hinweg.

Das Mauerwerk des Turmes besteht wie der größere Teil der Gebäude aus wetterbeständigem Kalktuff, das Dach ist aus Eisengebälk konstruiert und mit Ziegeln gedeckt und hat als Abschluss einen kupfernen Knopf.

Die Weihefeier am 19. Juli 1905

1. Die Höchsten Herrschaften werden bald nach 4 Uhr nachmittags eintreffen.   

Sobald  der Wagen am Burgberge angekommen ist, ertönt vom Turme herab Fanfarenmusik des Posaunenchors.

2. Empfangsgesang des Männerquartetts Neudietendorf: "Gott grüße Dich" (Helm)

3. Kurze Begrüßung Sr. Durchlaucht am äußeren Burgtore durch den geschäftsführenden Ausschuss des Landeskomitees (Kammerherr von Haeseler).

4. Geleit nach dem Burghof

5. Beim Eintritt in den inneren Burghof : Gesang des Männerchors (Vereinigte Gothaer Sänger unter Leitung des Musikdirektor Kühnhold), Gebet aus Joseph in Ägypten (Méhnl)

6. Ansprache und Überreichung des Schlüssels an Seine Durchlaucht den Regenten (Landespräsident Liebetrau)

7. Entgegnung Sr. Durchlaucht des Regenten.

8. Gesang : "Wie herrlich ist mein Vaterland" (Wandersleb)

9. Rundgang durch die Neubauten und Darbietung einer kleinen Erfrischung.

10. Begrüßung durch die Wachsenburg - Gemeinde (Oberlehrer Dr. Stange, Erfurt)

11. Aufführung des Volksschauspiels : "Stegreif und Rad" von Hugo Greiner.

12. Beim Aufbruch : Abschiedsgesang "Mein Thüringen, aus dem ich schied" (Eichhorn).

 

Wir zitieren :

Mit Erlangung der Volljährigkeit seiner königlichen Hoheit des Herzogs Carl - Eduard am 19.Juli 1905 endete die Regentschaft seiner Durchlaucht des Erbprinzen Ernst zu Hohenlohe - Langenburg. Und so hatte sich in allen Teilen des Herzogtums in allen Volksschichten und Berufskreisen der lebhafte Wunsch kundgegeben, dem Herrn Regenten bei seinem Scheiden aus dem schweren und verantwortungsvollen Amte die Dankbarkeit, Liebe und Verehrung in einer Weise zu bezeugen, die zugleich den kommenden Geschlechtern das Gedächtnis an die bedeutsame Epoche der Landesgeschichte sichtbar übermittelte.

Zu diesem Zwecke fasste die große Versammlung von Bürgern aus Stadt und Land den Beschluss, auf der weit in die Lande grüßenden Wachsenburg den in der Not der Zeit abgetragenen Turm neu aufzubauen. Von vielen Seiten sind dem Komitee Beiträge zugeflossen und auch zahlreiche Gothaer Landsleute in der Fremde haben es als eine liebe und freudig geübte Pflicht betrachtet, zu helfen, um den Hohenloheturm als ein Wahrzeichen deutscher Treue zu errichten, das den fernsten Zeiten künde, wie das Gothaer Land die in Gerechtigkeit und Milde unermüdet und selbstlos dem Wohl des Volkes gewidmete reichgesegnete Tätigkeit unseres allverehrten Regenten dankbaren Herzens gewertet und aus freiem Entschluss geehrt hat. 

Unvergessen bleiben die Worte die der Fürst bei der Feier der dreihundertjährigen Wiederkehr des Tages da Herzog Ernst der Fromme das Licht der Welt erblickte an den jungen Herzog richtete :

"Dir aber, der Du berufen bist an der Stelle zu wirken, wo Dein erlauchter Ahnherr in Segen gewaltet hat, Dir rufe ich heute zu, präge Dir das Bild Deines edlen Vorfahren tief in die Seele, das Bild des Mannes, der mit eiserner Pflichttreue und mutigem Gottvertrauen sein ganzes Leben dem Dienst seines Volkes gewidmet hat, der in einer Zeit fest zu Kaiser und Reich stand, wo der Glanz des alten Kaisertums schon erbleicht war und viele Fürsten nur die Interessen ihres Hauses im Augen hatten. Sein Beispiel soll dich lehren, als deutscher Fürst allzeit zum Wohle des Reiches zu handeln und im eigenen Lande Deine besten Kräfte zum Segen des Volkes einzusetzen. "

 

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Freitreppe und Burgverlies

Die Freitreppe und das Burgverlies wurden im Jahre 1913 wiederhergestellt.

Andere Gebäude

Alle anderen Gebäude im inneren Hof ( Palas, Kemenate, Nordflügel ) zeigen das Gesicht, das ihnen Herzog Ernst bei der Erneuerung im 17. Jahrhundert gab; sie stehen auf den Grundmauern der alten Bauten, deren Ausmaße bei der Umgestaltung beibehalten wurden. Der Nordflügel muß einst die Kapelle enthalten haben. An seiner Ostseite ist ein gemauertes Spitzbogenfenster zu sehen.  

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Was sonst noch auf dem Außenhof steht - Pulverturm, Wehrturm, Bastion - ist neu, Ergebnis romantischer Restaurierungsarbeiten aus dem 1.Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts. Einzigartig ist die Aussicht, die sich vom Turm der Wachsenburg bietet. Wie eine Landkarte breitet sich Thüringen  zwischen Harz und Thüringer Wald vor den Augen des Betrachters aus. Einhundert Städte und Dörfer, sagt man, seien von hier aus sichtbar. Vor dem gewaltigen Eindruck der Rundsicht vergißt man das Zählen.

 

Sagen und Geschichten

Die Sage vom bösen Fluch.

Im Verliß der Wachsenburg hielt Apel von Vitzthum einen ihm unbequemen Mönch eingekerkert, der hingerichtet werden sollte. Als er seinen letzten Gang zu dem damals noch keineswegs roten Berg antrat, schrie er seinem Peiniger, racheschwörend, ins Gesicht: Dieser Berg, auf dem ich unschuldig sterben muß, soll die Farbe meines Blutes tragen und auf ewig unfruchtbar bleiben. Und so geschah es; Der Gerichtete hatte kaum sein Leben ausgehaucht, da öffnete unter Blitzen und Donnern der Himmel seine Schleusen und sandte einen Gewitterguß, deren nicht nur das Mönchsblut, sondern auch allen Mutterboden zu Tal spülte, sodaß das nackte Gestein heraustrat und aller Pflanzenwuchs auf immer dahin war.

 

Der Burgschatz

Die Sagen erzählen von einem Schatz, der in den Gewölben des Burgkellers ruhen soll. Ein Schädel, umgeben von kostbaren Edelsteinen, den man am Burgtor ausgrub, ist auf geheimnissvolle Weise wieder verschwunden. Sie erzählen von dem Geist eines Edelfräuleins, der auf der Brug umgeht, die Schöne war dem Ritter Apel nicht zu Willen und wurde deshalb von ihm umgebracht.

Lassen wir uns jedoch nicht bange machen, nehmen wir lieber den Spruch mit auf den Weg:

"Hier liegt vom Buche Thüringens eine der herrlichsten Stellen vor uns aufgeschlagen . . . diese Burg, jene Städte, selbst jener jetzt nackte Hügel  geben dem Stoff zum Nachdenken genug, der diese Stelle commentieren möchte." Ludwig Bechstein, Sammler und Erzähler von Märchen, der zeitweilig in Arnstadt lebte und wirkte, empfand so seine Wachsenburg-Besteigung. Wie ihn, veranlaßte das alte Gemäuer auch andere zum "commentieren".    

 

Mit der Zeit entstanden "Wachsenburg-Sprüche"

Gut verloren, nichts verloren Mut verloren, halb verloren Ehre verloren, alles verloren.

Allzeit fröhlich ist gefährlich, Allzeit traurig, ist beschwerlich, Allzeit glücklich ist betrüblich, Eins ums andere ist vergnüglich.

Üble Botschaft auf der langen Bank, macht den Boten und dem Wirt das Herz krank.

Kamst als Fremder Du in unser schönes Land, darfst nur als Freund Du scheiden.

 

Fam. Wagner